Vorderbiss & Rückbiss bei Groisman & Laube behandeln lassen

Vorderbiss und Rückbiss behandeln lassen

Ihre Spezialisten im Centrum für MKG-Chirurgie in Frankfurt am Main

Der Ober- und Unterkiefer kann nach Abschluss des Wachstums jeweils für sich alleine zu klein (Mikrognathie) oder zu groß (Makrognathie) ausgebildet sein. Neben dem Missverhältnis hinsichtlich der Kiefergröße, spielt auch die Lage des Ober- und Unterkiefers zueinander eine wichtige Rolle, so dass man eine Rücklage (Retrognathie) von einem zu weit nach vorn stehenden Kiefer (Prognathie) unterscheiden muss. Beim Zubeißen wird bestimmt, um welche Bisslage es sich handelt, wobei man dann von einem Vorbiss (umgekehrter Überbiss der Schneidezähne, Mesialbiss, Angle-Klasse III bzw. Progenie) oder einem Rückbiss (Unterkieferrücklage, großer Überbiss, Distalbiss, Angle-Klasse II) spricht.

Das chirurgische Ziel besteht darin, den Oberkiefer beziehungsweise Unterkiefer so weit zu verschieben, dass das Missverhältnis ausgeglichen wird und die Zähne exakt aufeinander passen. Dabei wird der Gesichtsästhetik und der Kiefergelenksfunktion außerordentliche Beachtung geschenkt.

Vorderbiss (Progenie)

Formal gesehen unterscheidet man einen echten von einem unechten Vorbiss. Die Kombination aus beiden Formen ist allerdings der häufigste Vertreter dieses Fehlbisses, wobei der lange Unterkiefer oft mit einem zu großen Kinn und einem zu kleinen Oberkiefer kombiniert ist. Die Betroffenen und die Umwelt nehmen allerdings nur den charakteristisch langen Unterkiefer oder die große Unterlippe war. Zusätzlich ist das Mittelgesicht abgeflacht. Man spricht auch von einem Tellergesicht (dish face) oder einem konkaven Gesichtsprofil. Die Nasolabialfalten sind markant und die Nase wirkt dadurch groß und lang (Großnasenprofil). Insgesamt wirkt das Gesicht kantig und hart.

Erst nach einer sorgfältigen cephalometrischen Analyse (Cephalometrie) kann die Kieferfehlstellung geklärt werden. Dabei werden die Kiefer anhand einer digitalen Fernröntgenaufnahme (FRS) mit Hilfe eines Computerprogramms vermessen und ihre Lage bestimmt.

Beim Zubeißen entsteht der charakteristische umgekehrte Überbiss der Schneidezähne (Vorbiss, frontaler Kreuzbiss, kieferorthopädisch: Mesialbiss oder Angle-Klasse III Verzahnung). Bei Beteiligung der Seitenzähne spricht man von einem zirkulären Kreuzbiss. Grund für diese Verzahnung ist ein zu schmaler Oberkiefer oder ein zu breiter Unterkiefer (siehe Kreuzbiss). Erst nach der Analyse anhand von Gipsmodellen der Kiefer und der Auswertung von Röntgenbildern (inklusive 3D-Aufnahmen) kann die Ursache erfasst werden.

Aus funktioneller Sicht stehen beim Vorbiss Schwierigkeiten beim Abbeißen und Kauen im Vordergrund. Hinzu kommt eine Zungenfehlfunktion mit eingeschränkter Nasenatmung und erhöhter Mundatmung. Dies wird aber selten in Zusammenhang mit dem Fehlbiss gebracht. Vereinzelt treten auch Kiefergelenksbeschwerden, vor allem Kiefergelenksknacken durch Diskusverlagerungen auf.

Rückbiss (vergrößerter Überbiss)

Bei dieser Kieferfehlstellung handelt es sich um einen sehr weit verbreiteten Fehlbiss. Üblicherweise stützen sich die Oberkieferfrontzähne auf den Unterkieferfrontzähnen unter einem bestimmten physiologischen Winkel ab, was eine korrekte Stellung beider Kiefer zueinander erfordert. Tritt während des Unterkieferwachstums eine Wachstumshemmung auf, entsteht die sogenannte Unterkieferrücklage (mandibuläre Retrognathie). Diese macht sich durch einen vergrößerten Überbiss (kieferorthopädisch: Distalbiss, Angle-Klasse-II Verzahnung) bemerkbar und führt zusätzlich zur geringeren Abstützung der Frontzähne gegeneinander.

Als Zahnfehlstellung fallen häufig die nach vorne gekippten und in sich verschachtelten Unterkieferfrontzähne auf. Bei ausgeprägtem Überbiss kann sich die Unterlippe zwischen die Oberkieferfrontzähne und Unterkieferfrontzähne einlagern und im Extremfall dazu führen, dass die Oberkieferfrontzähne weit nach vorne gedrückt werden. Besteht zudem ein gering ausgeprägtes Kinn, fällt die Unterkieferrücklage gravierend auf. Es handelt sich somit um eine Kombination aus Unterkieferrücklage und wenig Kinnprominenz (fliehendes Kinn). Bei besonders schweren Fehlbissen kann ein schmaler Oberkiefer hinzukommen.

Abhängig von dem vergrößerten Überbiss kann das Abbeißen nur dann erfolgreich stattfinden, wenn der Unterkiefer weit nach vorne geschoben wird. Die Betroffenen führen diese Funktion unbewusst durch und strapazieren entsprechend die Kiefergelenke, so dass deren Kapsel- und Bandstrukturen stark überdehnt und gereizt sind. Infolgedessen besteht die Gefahr, dass die Knorpelscheibe im Kiefergelenk (Diskus) verrutschen kann. Man spricht dann von einer sogenannten Diskusluxation. Abhängig vom Schweregrad wird von einer teilweisen oder vollständigen vorderen Diskusverlagerung mit oder ohne zurückspringender Knorpelscheibe (Reposition) gesprochen.

Die ständige Kiefergelenksfehlfunktion kann strukturelle Veränderungen des Gelenkes und letztendlich eine Gelenksarthrose zur Folge haben. Dies kann zu einer Reihe von unterschiedlich stark ausgeprägten Kiefergelenksbeschwerden führen, zum Beispiel zu Knacken, Reiben, Schmerzen beim Kauen, eingeschränkter Mundöffnung, und wird allgemein als temporomandibuläre Dysfunktion bezeichnet. Aus diesem Grund sollte vor Beginn der Fehlbissbehandlung unbedingt eine gründliche radiologische und funktionelle Kiefergelenksdiagnostik durchgeführt werden. Entsprechend der Befunde kann dann eine passende Aufbissschienentherapie, im Sinne einer Vorbehandlung zur Entlastung der Kiefergelenke, gewählt werden.